Zusammenfassung

Spezifische Tests ergänzen die strukturierte Untersuchung von Fuß und Sprunggelenk. Sie werden normalerweise nicht sämtlich bei jedem Patienten durchgeführt. Basierend auf der Anamnese und der ersten orientierenden Untersuchung von Achse, Statik und Funktion erlauben die spezifischen Tests mögliche Pathologien weiter einzugrenzen. Je besser die Vorstellung hinsichtlich der pathologisch veränderten Struktur, umso präziser und zielgerichteter können dann weitere technische Untersuchungen erfolgen, wie z.B. Röntgen, Sonographie, Druckverteilungsanalyse, DVT, MRT oder CT.

Sprunggelenk 1

In jedem Falle empfiehlt sich eine strukturierte klinische Untersuchung des gesamten Fußes. Auch im Falle isolierter Vorfußpathologien, ist eine orientierende Untersuchung des Gangbildes und des Rückfußes unverzichtbar. Die Untersuchung erfolgt am halb entkleideten Patienten.

Talusvorschub

Bei gebeugtem Knie und Plantarflexion im OSG von 10-15° wird vom Untersucher mit der einen Hand der Unterschenkel zurückgehalten, mit der anderen Hand die Ferse (und somit der Talus) nach ventral geschoben. Der Test dient zur Beurteilung des vorderen Außenbandes (LFTA = Lig. fibulotalare anterior) am Sprunggelenk. In der akuten Situation nach einer Verletzung können Bandinstabilitäten durch einen schmerzbedingt erhöhten Muskeltonus maskiert werden. Die höchste Aussagekraft hat die Untersuchung ca. 5 Tage nach einem Trauma mit einer Sensitivität von 96% und einer Spezifität von 84% 2.

Video: Talusvorschub. Der Kalkaneus wird in leichter Plantarflexion des oberen Sprunggelenks nach ventral geschoben (C. Zanzinger/M. Walther).

Laterale Aufklappbarkeit

Test zur Beurteilung des Außenbandkomplexes (LFTA = Lig. fibulotalare anterior und LFC = Lig. fibulocalcaneare) am Sprunggelenk. In leichter Plantarflexion des OSG werden Talus und Calcaneus invertiert.

Tipp: Die Beurteilung der Instabilität erfolgt immer im Vergleich zur Gegenseite. Bei akuten Verletzungen ist eine Instabilitätstestung oft aufgrund von Beschwerden nicht adäquat durchzuführen, hier empfiehlt es sich den Patienten nach ca. 5 Tagen nochmals zu untersuchen.

Video: Laterale Aufklappbarkeit. Der Test erfolgt in leichter Plantarflexion um die knöcherne Fixierung des Talus in der Malleolengabel auszuschalten (C. Zanzinger/M. Walther).

Syndesmose - Kompressionstest, Squeeze-Test

Tibia und Fibula werden im mittleren Drittel des Unterschenkels zusammengedrückt. Der Test ist positiv zu bewerten, falls es zu Schmerzen im Bereich der Syndesmose kommt.

Tipp: Abtasten der Fibula mit Druck am Fibulaköpfchen zum Ausschluss einer Fibulafraktur (z.B. Maisonneuve-Fraktur).

Video: Squeeze Test. Tibia und Fibula werden im mittleren Drittel des Unterschenkels zusammengedrückt. Werden Schmerzen im Bereich der Syndesmose angegeben, gilt der Test als positiv (C. Zanzinger/M. Walther).

Beweglichkeit und Stabilität unteres Sprunggelenk

Die Beweglichkeit und Stabilität des unteren Sprunggelenks wird in Dorsalextension des oberen Sprunggelenks getestet. Die Dorsalextension führt zu einer Verblockung des Talus in der Malleolengabel, so dass Ausweichbewegungen im oberen Sprunggelenk weitgehend ausgeschlossen sind. Neben des Bewegungsausmaßen des Kalkaneus in Inversion und Eversion kommt es bei Instabilität zu einer vermehrten mediolateralen Translation. Der Test ist stets im Seitenvergleich durchzuführen, da erhebliche interindividuelle Unterschiede bestehen.

Video: Überprüfung der Beweglichkeit des unteren Sprunggelenks. Das obere Sprunggelenk wird in Dorsalextension gebracht und der Talus in der Malleolengabel fixiert. Anschließend werden Bewegungsausmaß und mediolaterale Translation im Seitenvergleich beurteilt (M. Walther).

Syndesmose - Außenrotationstest nach Frick

Bei fixierter Tibia wird im OSG eine Außenrotationsbewegung durchgeführt. Der Test ist positiv zu bewerten, falls es zu Schmerzen im Bereich der Syndesmose kommt.

Video: Außenrotationstest nach Frick (C. Zanzinger/M. Walther).

Syndesmose - Überkreuzte Beine Test, Crossed legtest

Das zu testende Bein wird im Sitzen über das andere Bein gelegt. Dabei sollte der Kontaktpunkt zwischen dem mittleren und distalen Drittel des Unterschenkels liegen. Es wird nun vorsichtig Druck auf die Knieinnenseite ausgeübt. Der Test gilt als positiv, wenn es zu Schmerzen im Bereich der Syndesmose kommt.

Tipp: Die klinischen Tests zur Verletzung der Syndesmose haben eine hohe negative Aussagekraft (kein Schmerz = keine Verletzung). Die Aussagekraft eines positiven Tests liefert aber keine verlässlichen Informationen zum tatsächlichen Schaden und sollte immer Anlass für weitere Bildgebung sein.

Differenzierung Bandverletzung von Frakturen am Sprunggelenk (Ottawa Foot- and Ankle Rules) 1

Durch Druck an standardisierten Bereichen am OSG ergeben sich verlässliche Hinweise auf eine Fraktur. Ist einer der fünf Tests positiv, sollte eine Röntgendiagnostik durchgeführt werden.

Ausführung:

  • Vier Schritte belastetes Gehen ist nicht möglich.
  • Druckschmerz im Bereich der distalen 5cm der dorsalen Fibula oder der Außenknöchelspitze.
  • Druckschmerz im Bereich der distalen 5cm der dorsalen Tibia oder der Innenknöchelspitze.
  • Druckschmerz im Bereich der Basis des MT-5.
  • Druckschmerz im Bereich des Os naviculare.

Die Ottawa-Ankle-Rules bieten bei begrenzten Ressourcen eine Möglichkeit zur Eingrenzung der radiologischen Bildgebung, spiegeln jedoch nicht den diagnostischen Standard in Europa wider 34. Die Strahlenbelastung und Kosten des Röntgenbildes wiegen dabei weit geringer als die möglichen Folgen des Übersehens einer möglichen ossären Bandavulsion oder einer osteochondralen Läsion 5. Korrekt angewendet helfen diese Regeln aber die eine oder andere Röntgenaufnahme zu vermeiden. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, den Patienten auf die Wiedervorstellung bei Beschwerdepersistenz hinzuweisen, um dann ggf. eine umfassende Bildgebung durchzuführen.

Achillessehne

Thompson-Test

Die mechanische Funktion der Achillessehne kann mit dem Thompson Test getestet werden kann. Der Test ist positiv sobald die Krafübertragung zwischen Wadenmuskel und Ferse gestört ist.
In Bauchlage wird bei etwas über die Untersuchungsliege hängenden Füßen die Wade komprimiert. Kommt es dabei zu KEINER Plantarflexion der Fußsohle, wird der Test als positiv beschrieben. Der Test erfolgt immer im Vergleich zur Gegenseite. Dieser Test ist auch bei frischen Rupturen der Achillessehne ohne Schmerzen durchführbar 678.

Video: Thompson-Test. Bei intakter Achillessehne führt die Kompression des Wadenmuskels zu einer Plantarflexion im Sprunggelenk. Bei Achillessehnenruptur links führt eine Kompression des Wadenmuskels zu keiner Plantarflexion des Fußes (M. Walther).

Zehengrundgelenke

Grind Test

Kommt es beim Bewegen des Großzehengrundgelenks zu Schmerzen, ist dies ein Indikator für degenerative Veränderungen (positiver Grind-Test). Meist geht dies einher mit einer Einschränkung der Dorsalextension im Großzehengrundgelenk und tastbaren osteophytären Anbauten.

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Video: Grind Test. Durch axiale Druckausübung auf das Großzehengrundgelenk und dabei kreisenden Bewegungen der Grundphalanx können Krepitationen und Schmerzen ausgelöst werden. Lassen sich die Beschwerden bereits in Neutralstellung der Zehe auslösen, ist dies ein Zeichen für eine fortgeschrittene Arthrose. In frühen Stadien lassen sich die Beschwerden nur in Dorsalextension auslösen (C. Zanzinger/M. Walther).

Push up Test

Am unbelasteten Fuß wird durch Druck von plantar die Belastung simuliert, um zu beobachten, wie sich Fehlstellungen der Zehen bei Belastung darstellt. Der Druck wird etwas proximal der Mittelfußköpfchen ausgeübt. Eine fehlende Plantarflexion im Push up Test ist Hinweis auf eine Ruptur der plantaren Platte. Der Test kann auch intraoperativ gut angewendet werden, um das postoperative Ergebnis zu simulieren.

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Video: Push up Test. Am unbelasteten Fuß wird durch Druck von plantar die Belastung simuliert, um die Stellung der Zehen bei Belastung zu beurteilen (C. Zanzinger/M. Walther).

Gänsslen-Zeichen

Eine diffuse Schmerzhaftigkeit des Vorfußes auf Kompression ist Hinweis auf eine rheumatologische Erkrankung.

Gerade bei schmerzhaften Zehengrundgelenken ohne klare mechanische Ursache sollte eine rheumatologische Untersuchung veranlasst werden. Bei der Unterscheidung zwischen Pathologien des Gelenks versus Pathologien des Spatium interosseums ist u.U. eine Testinfiltration mit einem Lokalanästhetikum mit anschließender Belastung des Fußes hilfreich.

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Video: Gänsslen-Zeichen. Schmerzen bei Kompression des Vorfußes sind Hinweis auf eine rheumatologische Erkrankung (C.Zanzinger/M. Walther).

Durchblutung

Rekapillarisierungszeit - Reperfusionszeit

Eine über den Status der Mikrozirkulation orientierende Untersuchung, ist die Messung der kapillaren Reperfusionszeit. Dabei wird das Nagelbett komprimiert und die Zeitdauer bis zur vollständigen Reperfusion gemessen. Diese sollte normalerweise unter zwei Sekunden liegen.

Video: Messung der Rekapillarisierungszeit. Durch Druck wird das Blut aus dem Gewebe gepresst und die Haut verfärbt sich weiß. Nach weniger als 2 Sekunden sollte wieder eine normale rosige Hautfarbe vorhanden sein. An der Großzehe normale Rekapillarisierung, an den Kleinzehen ist eine verzögerte Rekapillarisierung erkennbar (M. Walther).

Nerven

Bei der Untersuchung der Sensibilität ist darauf zu achten, dass der Patient nicht durch Beobachten der Berührung das fehlende Sensibilitätsempfinden kompensiert.

Sensibilitätstest mit Monofilament

Das Monofilament wird auf die Haut des Patienten gedrückt, bis es abknickt. Ein gesunder Patient sollte den ausgeübten Druck spüren. Fehlt die Druckwahrnehmung, besteht der Verdacht auf eine Neuropathie.

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Video: Untersuchung der Sensibilität mit einem Monofilament (M. Walther).

Stimmgabeltest

Beim Stimmgabeltest wird eine Stimmgabel (64 Hertz) angeschlagen und anschließend an einen Knochenvorsprung (Innenknöchel, Außenknöchel, mediales Metatarsaleköpfchen) gesetzt. Daraufhin wird der Patient gefragt, ob die Vibration für ihn spürbar ist. Bejaht er dies, so soll er auch den Zeitpunkt nennen, an dem er die abklingende Vibration nicht mehr fühlen kann. In diesem Moment liest der Untersucher den Wert auf der 8/8-Skala der Stimmgabel ab.

Klingelknopf-Zeichen

Teilweise elektrisierender Druckschmerz zwischen den Metatarsale-Köpfchen III und IV, seltener auch zwischen II und III durch Druck von plantar. Das Klingelknopfzeichen tritt im Rahmen einer Morton-Neuralgie auf.

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Video: Klingelknopf-Zeichen - Druckschmerz zwischen den Metatarsale-Köpfchen III und IV, seltener auch zwischen II und III bei Druck von plantar. Das Klingelknopfzeichen tritt im Rahmen einer Morton-Neuralgie auf. Teilweise ist der Schmerz von elektrisierendem Charakter (C. Zanzinger/M. Walther).

Mulders-Klick

Durch Kompression des Vorfußes lässt sich beim Morton Neurom ein meist schmerzhaftes Schnappen auslösen. Dabei erfolgt die Kompression des Vorfußes mit einer Hand, mit Daumen und Zeigefinger der anderen Hand lässt sich der verdickte Nerv zwischen den Metatarsale-Köpfchen tasten.

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Video: Mulders-Klick – Durch Kompression des Vorfußes lässt sich beim Morton Neurom ein meist schmerzhaftes Schnappen auslösen. Dabei erfolgt die Kompression des Vorfußes mit einer Hand, mit Daumen und Zeigefinger der anderen Hand lässt sich der verdickte Nerv zwischen den Metatarsale-Köpfchen tasten (M. Walther).

Hoffmann-Tinel-Zeichen

Als Hoffmann-Tinel-Zeichen bezeichnet man Parästhesien, die bei der Perkussion eines geschädigten Nervens in dessen Versorgungsgebiet auftreten. Der Test wird auch zur Verlaufsbeobachtung einer Nervenregeneration eingesetzt. Am Fuß läßt sich das Hoffmann-Tinel-Zeichen manchmal über dem Tarsaltunnel auslösen. Dies ist Zeichen für eine Schädigung des N. tibialis, z.B. beim Tarsaltunnelsyndrom.
Auch bei Nervenläsionen an anderen Stellen (z.B. N. suralis nach Kalkaneusfraktur) kann ein positives Hoffmann-Tinel-Zeichen beobachtet werden.

Video: Hoffmann-Tinel-Zeichen: Der Nervenverlauf wird mit dem Finger abgeklopft (hier N. tibialis). Das Hofmann-Tinel-Zeichen gilt als positiv, wenn durch die Perkussion Parästhesien im Versorgungsgebiet des Nerven auftreten.
(C. Zanzinger/M. Walther).

Weitere Literatur

  • Elsner A, Markus K, Andermahr J. Bandverletzungen Erkrankungen und Verletzungen des Rückfußes (pp. 155-188). Köln, Deutscher Ärzte-Verlag; 2011 
  • Mumenthaler MS, Manfred; Müller-Vahl, Hermann. Läsionen peripherer Nerven und radikuläre Syndrome. 9. Aufl. Stuttgart, Thieme; 2007
  • Szeimies U, Stäbler A, Walther M. Bildgebende Diagnostik des Fußes. Stuttgart, Thieme; 2012
  • Wülker N, Stephens MM, Cracchiolo A. Operationsatlas Fuß und Sprunggelenk, Stuttgart, Thieme, 2007
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