Vorbemerkungen

Der Begriff "Scarf" stammt aus dem Zimmerhandwerk und bezeichnet einen horizontalen Schnitt mit spitzwinkligen Enden, um zwei Balken miteinander zu verbinden (ähnlich dem „Gehrungsschnitt“). Die z-förmige Osteotomie wurde erstmals durch Gudas (1982) publiziert, die Operationstechnik wurde von L. S. Weil optimiert 1.

OP-Prinzip und –ziel

Z-förmige, 3D-ausgerichtete Osteotomie, hier in der Meta-/Diaphyse des Metatarsale I. Stellungskorrektur erfolgt durch Lateralverschiebung und Derotation, Ziel ist Kongruenz im MTP-I Gelenk und ausgeglichene Winkelverhältnisse (IMW/DMAA) 23.

Vorteile

Hohe Bandbreite der Korrekturmöglichkeiten (Verlängerung/Verkürzung, derotierende Gelenkwinkelkorrektur) auch bei hochgradigem Intermetatarsalwinkel. Verschiebe-Ausmaß wird durch Schaftdurchmesser begrenzt, langstreckige Auflagefläche, hohe Stabilität, vor allem Rotationsstabilität 4, nutritive Gefäßversorgung bleibt intakt, Kopfnekrose sehr selten, sofortige postoperative Vollbelastung im Spezialschuh (Vorfußentlastung), bilaterale Eingriffe möglich auch bei hochgradigen Deformitäten 5678.

Nachteile

Schwierig bei geringem Schaftdurchmesser und hohem Intermetatarsalwinkel, Ausrichtung der schrägen Winkelanteile proximal plantar und distal dorsal entsprechend der individuellen Korrekturrichtung. „Rinneneffekt“, d.h. Ineinandergleiten der Kortikalisanteile bei reiner Parallelverschiebung und spongioser Verarmung des Markraums. Implantatpositionierung und –durchmesser entsprechend der Korrekturstellung und verbliebenden Knochenkontaktfläche. Mediale Knochenkante bei langstreckiger Osteotomie kann stören 91011.

Indikationen

Hallux valgus auch mit hochgradiger Fehlstellung und dynamisch unwesentlicher Hypermobilität im TMT-I Gelenk. Ausreichender Schaftdurchmesser unter Berücksichtigung der Osteosynthese 12.

Kontraindikationen

Hochgradige Osteopenie, hochgradige Arthrose, zu geringer Metatarsale-Schaftdurchmesser gemäß der notwendigen Verschiebestrecke 1314.

Patientenaufklärung

Korrektur der Fehlstellung durch Durchtrennung des ersten Mittelfußknochens mit Verschiebung des kopftragenden Fragmentes zur Achskorrektur. Fixation durch Schrauben, Drähte oder Platten, Stahl, Titan oder auflösbares Material. Risiken: „Überkorrektur“ mit Großzehenfehlstellung in entgegengesetzte Richtung, Wundheilungsstörungen, Absterben des Gelenkkopfes, Knochenbruch, wiederauftretende Deformierung, Schwellung, Nachblutung 151617.

OP-Vorbereitung

Röntgenaufnahme des Fußes ap und seitlich unter Belastung, klinische Untersuchung im Stand sowie ohne Belastung, Prüfung von Durchblutung, Trophik, mögliche Infektquellen, Bewegungsausmaß/Mobilität (incl. TMT-I, Rückfuß-/Beinachsenstellung), Winkelmaße, insbesondere Intermetatarsalwinkel, Hallux valgus Winkel, Gelenkflächenwinkel (DMAA), Schaftdurchmesser 184.

Instrumentarium

Doppelgewindekopfschrauben (2,5-3 mm Durchmesser), kanüliert oder solide, Kleinfragment-Spongiosaschrauben (Durchmesser: 2,0/2,4/3 mm), (Gewinde-) Kirschnerdrähte (Durchmesser: 2,0 mm) 1920.

Anästhesie und Lagerung

Rückenlagerung, supramalleoläre Blutsperre/-leere, perioperative Antibiotikagabe (Single Shot). Anästhesieoptionen: Ischiadikus-Block, ggf. Ischiadikus-Katheter, Fußblock, Vollnarkose oder Spinalanästhesie 2122.

OP-Video

Postoperative Behandlung

Noch am OP-Tag Mobilisierung im Spezialschuh (Vorfußentlastungsschuh), schmerz- und schwellungsadaptierte Vollbelastung ggf. an Unterarmstützen. Eigenbewegung der Zehen. Interdigitale Retentionsverbände bis Wundheilung. Abschließende Röntgenkontrolle nach vier bis sechs Wochen (je nach Korrekturausmaß und Knochenqualität). Eventuell krankengymnastische Bewegungsübungen für Großzehengrundgelenk, Gangschulung. Arbeitsfähigkeit befund- und konstitutionsabhängig sowie belastungsabhängig ab Wundheilung, durchschnittlich nach 3,5 Wochen 232425.

Fehler, Gefahren und Komplikationen

Metatarsale Fraktur und Dislokation des Kopffragmentes durch zu randständige Schraubenplatzierung, zu großer Schraubenkopfdurchmesser. Fehlerhafte Schraubenlänge. Fehlerhafte Ausrichtung der Schrägosteotomien. Varus-Fehlstellung durch Überkorrektur bzw. laterale Fehlrotation der Kopfgelenkfläche, fehlerhafte Infektbehandlung, ungeeignete Schuhversorung, z.B. bei ungenügender Extensionsfähigkeit im oberen Sprunggelenk. Mangelhafte Compliance, z.B. mit vorzeitiger Belastung des Fußes im Spitzenstand 2627.

Ergebnisse

Reproduzierbare gute Korrekturergebnisse bei hoher Patientenzufriedenheit. Komplikationsrate in allen aktuellen Publikationen zwischen 1,1% und 6%. In allen Fällen Frühmobilisation nach erfolgtem operativen Eingriff möglich. In der Regel Übergang auf Konfektionsschuhwerk nach 4-6 postoperativen Wochen. Eine Schwellneigung kann mehrere Monate anhalten 182829.

Weitere Literatur

  • Barouk L S (2003) Forefoot reconstruction, Springer Verlag Paris 2012
  • Pisani G (1998) Fußchirurgie (deutsche Ausgabe) Küster H-H, Thomas W (Hgg), Georg Thieme Verlag Stuttgart New York 1998
  • Sabo D (2012) Vorfußchirurgie, Springer Verlag Berlin Heidelberg 2012
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