Vorbemerkungen

Der Hallux valgus ist mit einer Prävalenz von 2-4% und einer Bevorzugung des weiblichen Geschlechts die häufigste, klinisch relevante Vorfußfehlstellung 1.
Pathogenetisch werden extrinsische (z.B. Schuhwerk) und intrinsische Ursachen (z.B. Veranlagung, Biomechanik) diskutiert 23. Aufgrund der meist unbefriedigenden konservativen Therapieversuche 45 bedarf der symptomatische Hallux valgus in der Regel einer operativen Korrektur.
Historisch war die Resektionsarthroplastik (nach Keller und Brandes) des Metatarsophalangealgelenks lange Zeit in sehr breitem Umfang zur operativen Therapie des symptomatischen Hallux valgus verwendet worden 5. Die funktionellen Einbußen dieser „inneren Amputation“ ließ Orthopäden und Chirurgen immer wieder nach gelenkerhaltenden Operationen suchen. Die Operationsverfahren beispielsweise von Hohmann, Ludloff, Reverdin, Roux und Mitchell 67 belegen dies.
Aber erst durch die V-förmige retrokapitale Osteotomie des distalen Metatarsale I nach Austin 64889 war eine Methode gefunden worden, die eine hohe Primärstabilität aufwies 106489. Austin hatte dieses Verfahren seit 1962 regelmäßig verwendet aber erst 1981 veröffentlicht 69. Johnson prägte 1979 für diese Operationstechnik den Begriff der Chevron-Osteotomie, gemäß dem V-förmigen Rangabzeichen britischer und amerikanischer Unteroffiziere 648. Das Verfahren erschien technisch nicht sehr kompliziert und somit relativ leicht erlernbar. Das zeigt auch die heute noch weit verbreitete Akzeptanz des Verfahrens zur Korrektur des Hallux valgus 111012131415. Inzwischen sind auch verschiedenste Variationen 142645161718 der ursprünglich V-förmigen Osteotomietechnik mit dem im Zentrum des ersten Metatarsaleköpfchens zusammenlaufendem Winkel der Sägeschnitte von 60° beschrieben 1110121319148209. Neben der von Austin und Leventen verwendeten Methode der manuellen Einstauchung der Fragmente ohne Osteosynthese 10196179 werden in der Literatur inzwischen verschiedenste resorbierbare und nichtresorbierbare Fixationsmethoden der Chevron-Operation zur Erhöhung der Primärstabilität und Erweiterung des Indikationsspektrums erwähnt 11121314481821.
Bereits Austin beschrieb eine Kombination seines Verfahrens mit einem Weichteileingriff, der die lateral kontrakten Weichteilstrukturen mit den medialseitigen rebalancieren sollte 199. Der laterale Weichteileingriff ist in der Literatur hinsichtlich Notwendigkeit, chirurgischem Zugang und Umfang nach wie vor ein lebhaft diskutierter Aspekt 111012622.
Ebenso ist die Art und Weise der medialen Kapsulotomie und deren Readaptation am Ende der Operation einer großen Varianz unterworfen 1110121314264589.
Darüber hinaus kann die Chevron-Osteotomie mit weiteren Osteotomien des ersten Strahls, wie beispielsweise der Akin-Osteotomie, kombiniert werden 2315.

Operationsprinzip und –ziel

Die Chevron-Operation ist ein gelenkerhaltendes Operationsverfahren zur Therapie des symptomatischen Hallux valgus durch medialseitige Korrektur einer Spreizfußdeformität mit einem Metatarsus primus varus 518179.
Durch die Lateralverschiebung des distalen Fragments nach V-förmiger Osteotomie des ersten Metatarsale wird der erste Intermetatarsalwinkel als Ursache der Hallux valgus Fehlstellung korrigiert. Dabei wird das erste Metatarsaleköpfchen wieder über den Sesambeinkomplex reponiert 6. Dies gelingt aufgrund der kontrakten Weichteilverhältnissen auf der lateralen Gelenkseite meist erst durch einen lateral lösenden Weichteileingriff. Dieser kann transartikulär 11189 oder über einen gesonderten Zugang von dorsal 10121458 erfolgen. Die genaue Kenntnis der arteriellen Blutversorgung des Metatarsale 1 162425 reduziert hierbei das Risiko einer postoperativen avaskulären Nekrose des MTK 1. Wobei hier anscheinend nicht alle Nekrosen klinisch relevant werden (Hetherington et. al 1994, Coughlin et al. 2007).
Medial erfolgt ausgleichend eine Kapselverkleinerung bzw. –raffung. Durch die Achskorrektur des ersten Metatarsale wird aber auch die Zugrichtung insbesondere der langen Streck- und Beugesehnen in Bezug auf das erste Metatarsophalangealgelenk zentriert. Sie wirken somit nicht weiter fehlstellungsverstärkend 5. Sekundär wird so der Hallux valgus Winkel korrigiert. Auch die Zugrichtung des oft nach plantar unter das erste Metatarsale abweichenden und dann pronierend wirkenden Musculus abductor hallucis kann somit rezentriert werden.

Vorteile

  • Gelenkerhalt
  • Hohe Primärstabilität
  • Große knöcherne Kontaktfläche
  • Geringe Weichteiltraumatisierung und Kompromittierung der Gefäßversorgung bei transartikulärem Release der lateralen Weichteile
  • Durch entsprechende Ausrichtung der Sägeschnitte multiplanare Korrektur möglich
  • Technisch einfacher als Basisosteotomien oder Arthrodesen des ersten Tarsometatarsalgelenks
  • Kurze Operationszeit
  • Keine altersbezogene Indikationsbegrenzung 69
  • Kombinationsmöglichkeit mit weiter proximal oder distal gelegenen Osteotomien
  • Eingriff in Regionalanästhesie möglich
  • Das Osteosynthesematerial kann in den meisten Fällen belassen werden

Nachteile

  • Nicht zur Korrektur großer Intermetatarsalwinkel (>16°) geeignet
  • Korrigiert die Varusfehlstellung des Metatarsale 1 nicht im Zentrum der Abweichung
  • Gefährdung der Durchblutung des ersten Mittelfußköpfchens
  • Selten Weichteilirritation bei Metallimplantaten möglich

Indikationen

  • Symptomatischer Hallux valgus leichten bis mittelgradigen Ausmaßes
  • Intermetatarsalwinkel bis 16°
  • Hallux valgus Winkel bis 40°
  • Eventuell pathologischer distaler Gelenkflächenwinkel am MTK1 (DMAA)
  • Weichteilirritation ggf. mit Bursitis an der Pseudoexostose
  • Transfermetatarsalgie
  • Konflikt mit der Nachbarzehe durch Valgusfehlstellung

Kontraindikationen

  • Arthrose des Großzehengrundgelenks 64
  • (Schmerzhafte) Bewegungseinschränkung des Großzehengrundgelenks 6
  • Hallux valgus Fehlstellung auf der Basis einer Pathologie des Tarsometatarsale-1-Gelenks
  • Infekt
  • Hautschädigung (z.B. Ulzeration)
  • Schlechte Knochenqualität
  • Durchblutungsstörung
  • Deformitäten mit hohen Intermetatarsalwinkel, die sich durch die alleinige Verschiebung des Metatarsale 1 Köpfchens nicht ausreichend korrigieren lassen

Patientenaufklärung

  • Verkürzung des Metatarsale 1 möglich mit dem Risiko einer Transfermetatarsalgie
  • Verlängerung des Metatarsale 1 mit dem Risiko einer Verschlechterung der Beweglichkeit („overstuffing“)
  • Fortschreiten von degenerativen Veränderungen im Großzehengrundgelenk möglich
  • Überkorrektur (Hallux varus) mit dem Risiko von Folgeeingriffen
  • Verletzung oberflächlicher Hautnerven (z.B. N. peroneus superficialis)
  • Verletzung des Nervus peroneus profundus insbesondere beim lateralem Release über einen Zugang zwischen Metatarsale 1 und 2 von dorsal
  • Avaskuläre Nekrose des Metatarsale 1 und ggf. resultierender Folgeeingriff (Arthrodese)
  • Verzögerte Knochenheilung und Pseudarthrose der Osteotomie
  • Implantatunverträglichkeit oder Metallkonflikt mit der Notwendigkeit einer Metallentfernung
  • Implantatdislokation
  • Korrekturverlust
  • Rezidiv der Valgusfehlstellung
  • Ggf. notwendige Zusatzeingriffe (z.B. Akin Osteotomie) zur Vervollständigung der Korrektur
  • Bewegungseinschränkung im Großzehengrundgelenk
  • Schwellneigung
  • Schmerzen
  • Funktion des redressierenden Kramerverbandes
  • Notwendigkeit der Vorfußentlastung (Spezialschuh, Gehstützen, Fersenbelastung)
  • Eigenständige aktive Mobilisation
  • Bei persistierender Schwellung oder Bewegungsstörung Unterstützung der Nachbehandlung durch Lymphdrainagen und Physiotherapie insb. zur Normalisierung des postoperativen Gangbildes
  • Oberflächlicher Infekt und Wundheilungsstörung
  • Tiefer Infekt und Osteomyelitis
  • Thromboembolie-Risiko und leitliniengerechte postoperative Prophylaxe

Operationsvorbereitungen

Operationsplanung anhand der Röntgenaufnahmen unter Beachtung wichtiger radiologischer Landmarks wie Intermetatarsalwinkel, Hallux valgus – Winkel, Distaler Gelenkflächenwinkel (Distal metatarsal articular angulation: DMAA), Metatarsaleindex und S
Abbildung 1
  • Klinische Untersuchung des gesamten Fußes unter Entlastung und Belastung
  • Beurteilung des Gangbildes
  • Evtl. Fotodokumentation der Fehlstellung
  • Röntgenaufnahmen des Fußes d.p., streng seitlich und schräg unter Belastung
  • Operationsplanung anhand der Röntgenaufnahmen unter Beachtung wichtiger radiologischer Landmarks wie Intermetatarsalwinkel, Hallux valgus – Winkel, Distaler Gelenkflächenwinkel (Distal metatarsal articular angulation: DMAA), Metatarsaleindex und Sesambeinposition (Abbildung 1)
  • Patientenanleitung (ggf. Merkblatt) folgende präoperative Punkte zu beachten: Fußwaschung, Entfernung von Nagellack und/oder Schmuck, kein Eincremen der Füße vor der Operation
  • Clipping von Haaren nur, wenn diese ein relevantes Operationshindernis darstellen
  • Knöchel-, Unterschenkel- oder Oberschenkelblutleere, Desinfektion des Operationsgebietes und Abdeckung
  • Single shot i.v. Antibiose mit weichteil- und knochengängigem Cephalosporin vor Blutleere bei Narkoseeinleitung
  • Bildwandler

Instrumentarium

Allgemeines Fußinstrumentarium mit Pinzetten, Skalpell(en), Klemmchen, Luer, kleiner Meisel, Seidenschneider, Zange, kleine Langenbeckhaken und Hohmann-Hebel, Präparierschere, kleines Raspatorium und McGlamry Elevator
Abbildung 2
  • Allgemeines Fußinstrumentarium mit Pinzetten, Skalpell(en), Klemmchen, Luer, kleiner Meisel, Seidenschneider, Zange, kleine Langenbeckhaken und Hohmann-Hebel, Präparierschere, kleines Raspatorium und McGlamry Elevator (Abbildung 2)
  • Säge-/Bohrmaschine mit Kirschnerdrähten von 1,0 bis 1,6 mm
  • Bipolare Pinzette zur Blutstillung (alternativ monopolare Koagulation)
  • Osteosynthesematerial und ggf. zugehöriges Implantationsset (z.B. Doppelgewindeschrauben, Gewindekirschnerdrähte, resorbierbare Schrauben) OP Technik im weiteren Implantationsset für bioresorbierbare „BioCompression-Screws“ der Firma Arthrex mit zugehörigen Kirschnerdrähten, kanülierten Bohrern und Gewindeschneidern sowie Implantaten verschiedener Längen)
  • Verbandmaterial für modifizierten Kramerverband (sterile Kompressen, Polsterwatte, elastische Binde)

Anästhesie und Lagerung

  • Intubationsnarkose oder Larynxmaskennarkose
  • Spinalanästhesie, Ischiadicuskatheter oder Fußblock
  • Blutleere durch Druckmanschette am Oberschenkel (350 mmHg), Unterschenkel oder Knöchel (250 mmHg)
  • Rückenlagerung ggf. mit Keilkissen unter der Glutealregion
  • Kleines Kissen oder Bauchtuchbündel unter die Ferse (knapp proximal des Kalkaneus)
  • Strahlenschutzmatte und Röntgenschürzen optional

OP-Video

Postoperative Behandlung

  • Vorfußentlastungsschuh (mit schmerzadaptierter Fersenbelastung) und modifizierter Kramerverband für 6 Wochen
  • Antiphlogistika und Analgetika nach Bedarf
  • Postoperative Hochlagerung und Eisauflage
  • Thromboembolieprophylaxe gemäß Leitlinien bis zur vollen Fersenbelastung im Entlastungsschuh und ausreichend aktivem Bewegungsumfang im OSG
  • Vollbelastung (Gehen) im bequemen Konfektionsschuh nach der 6. postoperativen Woche
  • Röntgenkontrollen (Vorfuß in zwei Ebenen) postoperativ und ggf. nach zwei Wochen jeweils ohne Belastung. Abschlusskontrolle zur Dokumentation der knöchernen Konsolidierung nach sechs Wochen unter voller Belastung.
  • Postoperativ passive, bei zunehmend Wundheilung auch aktive Beübung des Großzehengrundgelenks in Extension und Flexion
  • Lymphdrainagen ab dem 1. bis 2. postoperativen Tag in Abhängigkeit von der Schwellneigung
  • Walking, Radfahren, Schwimmen und andere Sportarten ohne Stauchungsbelastung („Impact“) nach 6 Wochen
  • In Abhängigkeit von der Koordinationsfähigkeit Verordnung von Krankengymnastik zur Gangbildschulung nach der 6. postoperativen Woche 26
  • Vollständige Sportfreigabe nach 12 Wochen
  • Arbeitsunfähigkeit in Abhängigkeit vom Berufsbild

Fehler, Gefahren, Komplikationen

Dislokation des MTK 1 am 2. postoperativen Tag. Es folgte die sofortige Revision, mit Schluss der Osteotomie, Austausch der Schraube und Rotationssicherung über einen zusätzlichen Draht.
Abbildung 27
  • Rezidiv durch Unterkorrektur oder unzureichende laterale Entspannung der kontrakten Weichteile 101314489.
  • Unterkorrektur bei falscher Indikationsstellung 8.
  • Überkorrektur (Hallux varus). Das Risiko für die Entwicklung eines Hallux varus steigt insbesondere an bei zu aggressivem lateralen Release, zu starker knöcherner Korrektur, zu ausgedehnter Resektion der Pseudoexostose, ggf. mit Entfernung der medialen Gleitrinne, zu starker Kapselraffung oder zu starker Zügelung durch den postoperativen Verband 19144.
  • Transfermetatarsalgie mit Überlastung von Metatarsale 2 und 3, insbesondere bei Verkürzung des Metatarsale 1 ohne ausreichende Plantarisierung 149.
  • Bewegungseinschränkung im Großzehengrundgelenk. Das Risiko besteht insbesondere bei Verlängerung des Metatarsale 1 mit Drucksteigerung im Gelenk („overstuffing“) oder bei zu straffer Kapselnaht 10121989.
  • Fortschreiten von degenerativen Veränderungen bis hin zur Arthroseentwicklung.
  • Verzögerte Knochenheilung oder Pseudarthrose (höheres Risiko bei Rauchern) 1014.
  • Avaskuläre Nekrose des ersten Metatarsaleköpfchens. Das Risiko wird erhöht durch ausgedehnte Ablösung der Weichteile, z.B. durch ein aggressives laterales Release 101213144162425.
  • Oberflächlicher Infekt 12194.
  • Tiefer Infekt mit Gelenk- und Knochenbeteiligung 4.
  • Wundheilungsstörung 49.
  • Nervenverletzung 10124816.
  • Chronisches Regionales Schmerzsyndrom (CRPS) 13.
  • Fraktur des Metatarsale 1 6.
  • Weichteilirritation durch Implantate. Am häufigsten bei Kirschnerdrähten 128.
  • Materialunverträglichkeit (präoperative Abfrage von Allergien)
  • Dislokation des MTK 1 bei zu starker Verschiebung oder/und unzureichender Osteosynthese. Am häufigsten scheint die laterale Verkippung des MTK 1 aufzutreten 19146. Abbildung 27 zeigt eine solche Komplikation am 2. postoperativen Tag. Es folgte die sofortige Revision, mit Schluss der Osteotomie, Austausch der Schraube und Rotationssicherung über einen zusätzlichen Draht.

Ergebnisse

Die Chevron Osteotomie ist eine der weltweit am häufigsten angewandten Verfahren zur Korrektur einer milden bis mittelgradigen Valgusfehlstellung der Großzehe 1110121319148. Die zahlreichen Publikationen berichten über relativ verlässlich gute und reproduzierbare Ergebnisse. Durch Modifikationen in der Operationstechnik versuchten einige Autoren den Indikationsbereich auf mittelgradige bis schwerwiegende Fehlstellungen auszuweiten 121314.
Die Bestimmung des Schweregrades der Fehlstellung erfolgt in erster Linie am belasteten Röntgenbild im dorsoplantaren Stahlengang (siehe Abbildung 1). An dieser Aufnahme können die wichtigsten radiologischen Vermessungen zur Operationsplanung vollzogen werden 112310121312728172930, auch wenn in einigen Studien eine große inter- und intraindividuelle Schwankungsbreite der Messergebisse dargestellt werden konnte 2930. Ebenso zeigt sich eine gewisse Varianz in der Methodik zur Bestimmung des ersten Intermetatarsalwinkels 18282931.
Als Grenzwerte für einen milden bis mittelgradigen Hallux valgus werden in der Literatur in relativ weiter Übereinstimmung ein Intermetatarsalwinkel bis maximal 16° und ein Hallux valgus Winkel bis 40° genannt 688.
Der DMAA ist radiologisch schwierig zu beurteilen und sollte intraoperativ bei Gelenkeröffnung inspektorisch überprüft werden 2.
2007 verglichen Trnka et al. (2007) die Ergebnisse von vier verschiedenen Nachuntersuchungsgruppen, die sich durch Modifikationen der OP Technik unterschieden: 66 Chevron Operationen von 1991 bis 1992, 100 Chevron Operationen von 1992 bis 1995, 55 Chevron Operationen von 1994 bis 1995 und 89 Chevron Operationen von 2000 bis 2002.
So wurde der dorsomediale Zugang 1992 durch einen streng medialen Zugang mit L-förmiger Kapsulotomie ersetzt. 1992 wurde das laterale Release über einen dorsalen Zugang eingeführt mit Perforation der lateralen Kapsel längs zwischen Metatarsale 1 und fibularem Sesambein, sowie vertikal im Verlauf der Gelenklinie ohne Ablösung des Adduktors oder Durchtrennung des intermetatarsalen Bandes. Zwischen 1994 und 2000 wurde eine temporäre Fixation mit einem Kirschnerdraht durchgeführt. Seit 2000 wird die Osteotomie mit einer kanülierten Kompressionsschraube fixiert. Insbesondere die Einführung des lateralen Release führte zu einer signifikanten Verbesserung des Hallux valgus- und Intermetatarsalwinkels, ohne vermehrt Probleme mit einer avaskulären Nekrose des MTK 1 zu bekommen. Die Einführung einer Osteosynthese mittels Kirschnerdraht zeigte im follow up nach 34 Monaten gegenüber der lediglich manuellen Einstauchung des distalen Fragments, wie in der Originalarbeit von Austin beschrieben, eine geringere Rate an Korrekturverlusten und Dislokationen des ersten Metatarsaleköpfchens.
Durch die Verwendung einer Schraube konnte das Indikationsspektrum hinsichtlich Schweregrad des Hallux valgus erweitert werden.
Der Vergleich einer 2-Jahres- und eines 5-Jahres-Nachuntersuchung zeigte gegenüber der präoperativen Untersuchung eine Verbesserung des IM-Winkels von 13° auf 8° respektive 9°. Der HV-Winkel konnte von durchschnittlich 29° auf 15° respektive 16° reduziert werden. Ergebnisse, welche auch die langfristige Zuverlässigkeit der Chevron-Osteotomie in der Behandlung des milden bis mittelgradigen Hallux valgus belegen.

Weitere Literatur

  • Chadchavalpanichaya N, Chueluecha C. Effectiveness of hallux valgus strap: a prospective, randomized single-blinded controlled trial. Siriraj Med J 63: 42-46, 2011
  • Corte-Real N, Silva JV, Pereira E, Caramelo J. “Chevron” osteotomy fixed with biodegradable screws in the treatment of Hallux valgus. Foot Ankle Surg 4: 87-91, 1998
  • Coughlin MJ, Mann RA. Hallux Valgus. In Coughlin MJ, Mann RA, Saltzman CL (eds). Surgery of the foot and ankle. 8th edition. Philadelphia: Mosby, 2007
  • Dohle J: Pathoanatomie des Vorfußes. In Sabo D (ed). Vorfußchirurgie, 2nd edition. Berlin: Springer, 2012
  • Hetherington VJ. Austin procedure and modified Austin procedures. In Hetherington VJ (ed). Hallux valgus and forefoot surgery. New York: Churchill Livingstone, 1994
  • Hohmann G: Hallux valgus und Spreizfuß. In Hohmann G (ed). Fuss und Bein, ihre Erkrankungen und deren Behandlung, 5th edition, München, Bergmann, 1951
  • Laporta DM, Melillo TV, Hetherington VJ. Preoperative assessment in hallux valgus. In Hetherington VJ (ed). Hallux valgus and forefoot surgery. New York: Churchill Livingstone, 1994
  • Piggott H. The natural history of hallux valgus in adolescence and early adult life. J Bone Joint Surg (Br) 42 (4): 749-760, 1960
  • Redfern DJ, Bendall SP. Bunion surgery: can capsular closure influence range of motion? Foot Ankle Surg 9: 205-207, 2003
  • Snyder AJ, Hetherington VJ. Overview of distal first metatarsal osteotomies. In Hetherington VJ (ed). Hallux valgus and forefoot surgery. New York: Churchill Livingstone, 1994
  • Trnka HJ, Hofstätter S. The chevron osteotomy for correction of hallux valgus. Interact Surg 2: 52-61, 2007
  • Waldecker U. Lateral release in hallux valgus surgery: comparison of two approaches. Foot Ankle Surg 10:195-199, 2004
  • Walther M. Bildgebung. In Sabo D (ed). Vorfußchirurgie, 2nd edition. Berlin: Springer, 2012
Loading…
Loading the web debug toolbar…
Attempt #